Mo. Jan 17th, 2022

Zum ersten mal traf ich auf Christian Lindner bei einem Empfang der Jenaer Freien Demokraten – das war 2014. Wir unterhielten uns kurz über die Streitschrift „Noch eine Chance für die Liberalen oder die Zukunft der Freiheit“ von Karl-Hermann Flach, 1971 erschienen und trotzdem auch heute noch aktuell. Seit unserem damaligen Gespräch verfolge ich mit Interesse, was Lindner unternimmt, um seine Partei und deren Konzepte neu zu erfinden.

Nach der Schmach der außerparlamentarischen Opposition ab Herbst 2013 – die FDP, zuvor noch Mitglied der Bundesregierung, hatte mit 4,8 % den Verbleib im Bundestag verfehlt – wurde der ehemalige Generalsekretär der Bundesliberalen neuer Vorsitzender seiner Partei und leitete einen Imagewechsel der Freien Demokraten ein, u.a. mit der Ergänzung der blau-gelben Grundfarbe durch Magenta und hippen Wahlkampf-Slogans wie „Digital first, Bedenken second“ oder „Update“.

Sein Plan war parteiintern umstritten und teuer (u.a. wurde die Berliner Werbeagentur Heimat verpflichtet) ging aber auf: die noch bis Mitte der 2010er Jahre verstaubt wirkenden Liberalen, deren Mitglieder gerne in Jagdsalons und trautem Ambiente zusammengerufen wurden, tagten nun bei Musik von Coldplay in Lofts, ehemaligen Fabrikhallen oder der Lounge von Sportarenen. Zitat Lindner aus seinem Buch „Schattenjahre: Die Rückkehr des politischen Liberalismus“: „Ich wollte die liberale Partei zurück, die mich einst begeistert hatte: modern im Denken, verlässlich im Handeln, differenziert im Urteil, unbequem, aber respektiert.“

Doch obwohl die Liberalen nach ihrem Update anschließend in Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz in Landesregierungen mitwirken und -gestalten konnten, mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Katja Suding, Alexander Graf Lambsdorf oder Michael Theurer teils charismatische Politiker in ihren Reihen hatten, war die FDP für viele Deutsche Wählerinnen und Wähler oft genug eine One-Man-Show von Christian Lindner, was viel mit seinem bisherigen Selbstverständnis als Aushängeschild der Liberalen zu tun hat. Doch nun, als Chef des Finanzministeriums (als zweitwichtigstes Haus der Scholz-Regierung) und Dienstherr von 63.000 Mitarbeitende, als einer, der den Bundeshaushalt aufstellt, ausgabefreudigen Kollegen die Gelder streicht und im Ausland einer der mächtigsten Vertreter Deutschlands ist, muss Lindner sich überlegen, was für eine Art Repräsentant er von nun ab sein will.

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Geschrieben von und © 2021 von Rainer W. Sauer für die Initiative VERWALTUNGSNETZWERK DEUTSCHLAND | www.verwaltungsnetzwerk.info

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