Mi. Dez 7th, 2022

In der Bundesrepublik sind inzwischen weit mehr als eine Million Autos mit Elektroantrieb unterwegs, sofern man die sog. Plug-in-Hybride mitrechnet. Die Ampel-Regierung hat als Ziel ausgegeben, die Zahl der strombetriebener Pkw in Deutschland bis Ende 2030 auf 15 Mio. zu steigern. Das jedoch geht nicht ohne einen massiven Ausbau der Ladeinfrastruktur und das Problem liegt hier im Detail, wie die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller bereits im Sommer klarstellre.

Der Ausbau passiere viel zu langsam, sagte sie, denn jede Woche müssten um die 2.000 E-Auto-Ladepunkte errichtet werden, wovon aber nur etwa 300 tatsächlich gebaut würden. Aktuelle Zahlen der Bundesnetzagentur belegen gar, dass in mehr als der Hälfte der Städte, Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften hierzulande bisher keine einzige öffentlich zugängliche Ladesäule für Autos mit Elektroantrieb steht. Der Grund: Die ca. 25.500 öffentlich zugänglichen Ladeeinrichtungen mit 49.207 Ladepunkten für Elektroautos sind höchst ungleich über Deutschland verteilt.

Während beispielsweise im Freistaat Thüringen knapp 500 von 633 Gemeinden ohne Ladesäule ein ebenso klares wie trauriges Bild zeichnen, sieht die Situation in Bayern von den absoluten Zahlen her anders aus. Dort ist man sozusagen Deutscher Meister mit den weitaus meisten Ladesäulen pro Bundesland. Paradox ist jedoch, dass auch dort eine große Zahl von Orten ohne entsprechendes Angebot dasteht, nämlich rund 1000 von 2056. Den Meistertitel hätte dagegen Nordrhein-Westfalen verdient, denn hier haben nur acht von insgesamt 396 Orten keine Lademöglichkeit für E-Autos.

Das wird also eine der ersten großen Aufgaben für den neuen Bundesminister Volker Wissing (FDP) sein, denn der Umstieg auf E-Mobilität mit den avisierten 15 Mio. Fahrzeugen kann nur dann gelingen, wenn Bund und Länder die Bereitstellung von Infrastruktur nicht verschlafen. Dies sieht auch der IG Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann so, der in einem aktuellen Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte: „Es gibt einen Crash, wenn wir da nicht nacharbeiten.“ Was nützten die besten Förderprogramme, die Umstellung von Fabriken und rasante Kundenbestellungen, wenn es gleichzeitig zu wenige Ladesäulen gibt, so der Gewerkschaftsboss.

Wie sich der neue Bundesminister das Ganze vorstellt, kann man unter anderem HIER im Interview sehen und hören.

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